Für immer mehr Versorgungsunternehmen wird LTE-450 vom Zukunftsthema zum konkreten Projekt. Damit verschieben sich auch die Herausforderungen und Fragen: Im Mittelpunkt stehen zunehmend der Roll-out, die Integration in bestehende Strukturen sowie ein sicherer und dauerhaft beherrschbarer Betrieb. Die Gespräche auf unserem `Praxisforum 450 MHz´ Ende Juni haben gezeigt, welche Themen Versorgungsunternehmen bei der Umsetzung derzeit besonders beschäftigen.
Aktuell verzeichnet das 450-MHz-Netz von 450connect eine bundesweite Netzabdeckung von mehr als 98 Prozent, die vollständige Abdeckung ist bis Ende dieses Jahres geplant. Parallel wird LTE-450 in ersten Projekten erprobt und eingesetzt. Und so zeigte sich beim gemeinsamen `Praxisforum 450 MHz´ von Garderos und 450connect: Für viele Unternehmen ist LTE-450 in der Umsetzungsphase angekommen.
Der Status reicht von der strategischen Vorbereitung über Teststellungen und Pilotierungen bis zu konkreten Roll-out-Planungen. Wiederkehrende Anwendungsfelder sind unter anderem die schwarzfallfeste Sprach- und Datenkommunikation, die Fernwirktechnik, die Anbindung digitaler Ortsnetzstationen sowie Anwendungen im Kontext von § 14a EnWG.
Die Frage lautet meist nicht mehr, ob sich LTE-450 für den Anwendungsfall eignet. Entscheidend ist jetzt: Wie wird aus einem technischen Konzept eine skalierbare und langfristig tragfähige Lösung?
Eine zentrale Rolle spielt dabei die eingesetzte Routerlösung. Sie stellt die Verbindung zwischen dem 450-MHz-Netz und den vorhandenen Anlagen, Feldgeräten sowie Leit-, IT- und OT-Systemen her. Ihre Auswahl beeinflusst deshalb nicht nur die Funkanbindung, sondern auch Sicherheit, Integration, Roll-out und späteren Betrieb.
Zwischen Pilotierung und Roll-out
Ein LTE-450-Projekt beginnt nicht mit einem flächendeckenden Roll-out. Zunächst müssen Unternehmen relevante Anwendungsfälle priorisieren, ihre bestehende Kommunikationsarchitektur bewerten und die beteiligten Fachbereiche zusammenbringen.
Eine wesentliche Überlegung dabei ist, wie sich vorhandene Fernwirk- und Kommunikationsstrukturen sinnvoll migrieren oder um LTE-450 ergänzen lassen. Selten entsteht die neue Kommunikationslösung auf der grünen Wiese. Bestehende Anlagen, Protokolle und Netzwerkarchitekturen müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Integration in Leittechnik-, IT- und OT-Prozesse. Hinzu kommen Zugriffsrechte, Sicherheitsvorgaben und betriebliche Abläufe. Die Herausforderung ist also komplexer als die reine Auswahl eines Routers und einer SIM-Karte.
In der Pilotphase wird die gesamte Kommunikationslösung unter realen Bedingungen geprüft. Dazu gehören die Funkversorgung am jeweiligen Standort, die Auswahl und Positionierung der Antenne sowie die Frage, wie der Router die vorhandenen Anlagen sicher an das 450-MHz-Netz und die zentralen Leit-, IT- und OT-Systeme anbindet.
Damit ist die wichtigste Arbeit jedoch noch nicht abgeschlossen: Für einen breiten Roll-out muss aus der individuellen Installation ein wiederholbarer Prozess entstehen.
Genau an diesem Übergang zeigen sich derzeit viele der praktischen Herausforderungen. Wir betrachten drei der wesentlichsten.
Funktioniert die Lösung am konkreten Standort?
Eine hohe Flächenabdeckung bedeutet nicht automatisch, dass die Funkverbindung ohne Weiteres an jedem vorgesehenen Einbauort funktioniert. Gebäude, Keller, Schaltschränke und unterschiedliche bauliche Gegebenheiten beeinflussen die tatsächliche Empfangssituation.
Für die Planung sind deshalb unter anderem folgende Punkte relevant:
- lokale Netzabdeckung und Gebäudedämpfung,
- Auswahl und Positionierung der Antenne,
- Einbauort und Umgebungsbedingungen,
- Stromversorgung und das Notstromkonzept,
- erforderliche redundante Kommunikationswege.
Gemeinsam mit dem Router und den angeschlossenen Systemen muss all dies in der Gesamtlösung zusammenspielen.
Aber: Was im Labor oder an einem Pilotstandort zuverlässig läuft, lässt sich nicht automatisch unverändert auf Hunderte weitere Standorte übertragen. Das führt zur nächsten Herausforderung im Prozess, nämlich zu der Frage:
Lässt sich der Pilot skalieren?
Nun gilt es, aus einer individuellen Installation einen standardisierten Roll-out zu entwickeln. Gerade der erwartete Roll-out-Aufwand bereitet vielen Unternehmen Sorgen.
Nicht zuletzt hinsichtlich des Routers stellen sie sich dabei sehr konkrete Fragen:
- Wie werden die Router vorkonfiguriert?
- Wie lassen sich neue Geräte mit möglichst wenig Aufwand vor Ort sicher in Betrieb nehmen?
- Wie werden einheitliche Konfigurationsstände gewährleistet?
- Wie fügt sich die Bereitstellung in bestehende Beschaffungs-, Logistik- und Betriebsprozesse ein?
Diese Fragen gewinnen durch den Fachkräftemangel an zusätzlicher Brisanz. Viele Unternehmen müssen LTE-450-Projekte mit denselben Teams umsetzen, die gleichzeitig weitere Digitalisierungs-, Netz- und Regulierungsprojekte betreuen. Jeder zusätzliche manuelle Arbeitsschritt bindet dabei knappe Kapazitäten, verlängert den Roll-out und erhöht das Fehlerrisiko.
Standardisierung, Vorkonfiguration und Automatisierung entscheiden deshalb wesentlich darüber, ob ein Roll-out beherrschbar bleibt. Dabei gilt allerdings nicht „One size fits all“: Die Lösung muss sich an die jeweilige Systemlandschaft anpassen, während wiederkehrende Abläufe möglichst einheitlich gestaltet werden sollten.
Das Ziel ist kein vollständig standardisiertes Projekt. Entscheidend ist, die wiederholbaren Schritte so weit zu definieren, dass aus dem Pilotprojekt ein effizienter Roll-out-Prozess entstehen kann.
Mit dem Übergang vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb rückt eine weitere Frage in den Vordergrund:
Bleibt die Infrastruktur langfristig sicher und beherrschbar?
Zunächst einmal gilt es, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten klar zu definieren: Unternehmen müssen frühzeitig festlegen, wer die eingesetzten Geräte überwacht, auf Störungen reagiert und Konfigurationen sowie Firmwarestände aktuell hält – und sicherstellen, dass dafür die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stehen.
Zur Ressourcenfrage gehört auch das Problem, dass eine rein manuelle Administration bei größeren Routerflotten schnell zu aufwendig wird. Benötigt werden daher Prozesse und Funktionen für:
- die zentrale Verwaltung von Konfigurationen,
- Monitoring und Fehlererkennung,
- kontrollierte Firmware- und Sicherheitsupdates,
- sichere Fernzugriffe,
- dokumentierte Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten,
- die effiziente Aufnahme weiterer Standorte.
Über den gesamten Lebenszyklus hinweg muss dabei die Cybersecurity berücksichtigt werden: von der Erstkonfiguration und Authentifizierung des Routers bis hin zum Schwachstellenmanagement und zum langfristigen Software-Support.
Hinzu kommt die Frage der Zukunftsfähigkeit. Die heute gewählte Architektur sollte nicht nur den ersten Anwendungsfall abdecken. Später können weitere Stationen, Anwendungen oder Kommunikationswege hinzukommen. Router, Managementsystem und Schnittstellen müssen deshalb ausreichend flexibel sein, um die Infrastruktur weiterzuentwickeln, ohne sie bei jeder Erweiterung grundlegend umbauen zu müssen.
Darüber hinaus möchten die meisten Unternehmen zu Recht vermeiden, dass LTE-450 zu einer weiteren technischen Insellösung wird, die dauerhaft separat und manuell gepflegt werden muss. Entscheidend ist daher nicht nur, ob die Kommunikation funktioniert, sondern ob sie sich sicher in bestehende Betriebs- und Sicherheitsprozesse integrieren und langfristig erweitern lässt.
LTE-450 ist mehr als ein Mobilfunkprojekt
Im Austausch mit Versorgungsunternehmen wird klar: Ein LTE-450-Projekt betrifft nicht nur Funktechnik und Hardware. Es umfasst die Migration oder Ergänzung bestehender Fernwirk- und Kommunikationsstrukturen ebenso wie deren Einbindung in die Leittechnik sowie in IT- und OT-Architekturen. Hinzu kommen Informationssicherheit, Roll-out-Prozesse und die langfristige Betriebsverantwortung.
Der Projekterfolg hängt daher davon ab, ob bestehende Strukturen sinnvoll eingebunden, die Abläufe für den Roll-out standardisiert und die eingesetzten Geräte anschließend sicher und zentral betrieben werden können.
Wer Bestandssysteme, Schnittstellen, Sicherheitsanforderungen und Betriebsprozesse bereits in der Pilotphase mitdenkt, schafft eine wertvolle Grundlage für den späteren Regelbetrieb. Sind Architektur, Konfigurationen und Zuständigkeiten einmal sauber festgelegt, können weitere Installationen zunehmend standardisiert und effizient umgesetzt werden.
So geht unsere Serie weiter
Im zweiten Teil unserer Serie werden wir aufzeigen, welche Anforderungen LTE-450-Router für den Einsatz in kritischen Infrastrukturen erfüllen müssen. Im Fokus stehen Sicherheit, zentrales Management, Skalierung und der langfristige Betrieb großer Routerflotten.
Sie beschäftigen sich bereits mit der Auswahl geeigneter Router? Unser kostenloser & anbieterneutraler Buyer’s Guide „LTE-450-Router – Welche Kriterien für den sicheren und langfristigen Betrieb in KRITIS zählen“ bietet eine strukturierte Orientierung.
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