Messdaten, oder die Aussicht darauf, sind Fluch und Segen zugleich. Segen deshalb, weil sie das Versprechen mitbringen, endlich den kompletten Durchblick zu erlangen. Und Fluch, weil die Fülle an potenziell erhebbaren Messdaten schier endlos ist und somit auch die Aufgaben in der Erhebung, Übertragung und Auswertung. Das anfänglich hochmotiverte „Pack mas“ wandelt sich nicht selten in ein ratloses „Wo sollen wir nur anfangen?“.

Das ist kein spezifisches Problem der Energiebranche, aber auch hier eine große Herausforderung. Der Kontext ist ein gewaltiger: Messdaten sind sowohl Teil als auch Wegbereiter der Digitalisierung beziehungsweise deren Fortschritts. Ohne Digitalisierung keine Netztransparenz und, noch weitreichender gedacht, letztlich keine Energiewende.

Auch die Deutsche Energie-Agentur (dena) sieht die Digitalisierung als „zentrales Instrument“, um den Betrieb eines klimaneutralen Stromsystems effizient zu organisieren (dena Verteilnetzstudie II, 2025). Echtzeitinformationen über den Netzzustand sollen dabei unter anderem die Beobachtbarkeit verbessern und durch die gewonnene Transparenz Netzführung und Netzausbau optimieren.

Verteilnetzbetreiber brauchen also ein genaueres Bild davon, was in ihren Niederspannungsnetzen passiert – doch wie viel Messtechnik ist dafür nötig und vor allem: wo anfangen?

Vollausstattung ist keine Startstrategie

Die gute Nachricht: Der erste Schritt hin zur Netztransparenz ist nicht die flächendeckende Digitalisierung.
Sinnvoller ist ein schrittweises Vorgehen: einzelne relevante Netzknoten auswählen, dort Erfahrungen sammeln und daraus ableiten, wie der weitere Rollout aussehen kann. Entscheidend ist nicht, möglichst schnell möglichst viele Stationen auszurüsten, sondern zunächst dort Informationen zu gewinnen, wo sie für fundierte Entscheidungen tatsächlich gebraucht werden. Es gilt, vom Ziel her zu denken: Nicht der Messwert steht zuerst, sondern das, was an einer bestimmten Stelle erreicht werden soll. Der Messwert ist dann Teil des Weges zur Zielerreichung.

Im Piloten können Netzbetreiber auch prüfen, ob Messtechnik, Datenqualität, Übertragung und Auswertung im Zusammenspiel funktionieren. Denn es kommt auf ein funktionierendes Gesamtsystem an. Erst wenn diese Prozesse belastbar stehen, lohnt sich die Ausweitung auf weitere Stationen.

Stefan Huber, Senior Account Manager Utilities bei Garderos, hat bereits mit vielen Versorgern über den Weg hin zu mehr Netztransparenz gesprochen. Wie ein schrittweiser Einstieg aussehen kann, erklärt er im Video.

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Messen allein schafft noch keine Transparenz

Netztransparenz entsteht nicht allein durch die Erhebung möglichst vieler Messwerte. Mehr Sensorik bedeutet nicht automatisch mehr Erkenntnis. Entscheidend ist, dass relevante Messdaten in ausreichender Qualität vorliegen, im Netzkontext bewertet und zu einem belastbaren Bild des Netzzustands zusammengeführt werden.

Denn ein Messwert steht nie für sich allein. Wo wurde gemessen? Was genau wurde gemessen? Unter welchen Netzbedingungen ist der Wert entstanden – und wie entwickelt er sich über die Zeit?

Messort, Messgröße, zeitlicher Verlauf und Netztopologie bestimmen mit darüber, welche Aussage sich aus den Daten ableiten lässt. Erst durch diese Kontextualisierung können Netzbetreiber Belastungen, Auffälligkeiten und mögliche Engpässe zuverlässig bewerten.

Viele Daten allein ergeben noch kein Netzbild.
Stefan Huber erklärt, wie aus Messwerten belastbare Informationen werden.

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Wie kommt der Messwert von A nach B?

Damit aus Messdaten tatsächlich Netztransparenz entsteht, müssen drei Dinge zusammenspielen: hochwertige Messtechnik, eine sichere und zuverlässige Übertragung sowie die sinnvolle Aufbereitung und Analyse der Daten.

Gerade die Übertragung wird dabei leicht unterschätzt. Die besten Messdaten helfen wenig, wenn sie nicht zuverlässig aus der Station in die übergeordneten Systeme gelangen. Für die Kommunikation aus Ortsnetzstationen und Kabelverteilern braucht es daher Routertechnik, die Messdaten sicher und zuverlässig an Leit- und Datensysteme überträgt und sich auch in großen, verteilten Beständen zentral betreiben lässt. Sie muss dauerhaft erreichbar, sicher administrierbar und für den Betrieb vieler verteilter Stationen geeignet sein.

Spätestens beim Rollout wird dieser Punkt entscheidend. Ein einzelner Messpunkt lässt sich noch vergleichsweise einfach anbinden. Werden jedoch Hunderte oder Tausende Stationen integriert, müssen Kommunikation, Konfiguration, Überwachung und Updates standardisiert und zentral beherrschbar sein.

Fazit: klein anfangen, belastbar skalieren. Für Netzbetreiber heißt das: dort anfangen, wo der Informationsbedarf beziehungsweise der zu erwartende Nutzen am größten ist, Erfahrungen sammeln und auf dieser Basis schrittweise skalieren. So wird aus einzelnen Messpunkten nach und nach ein belastbares Bild des Netzes und somit ein Werkzeug für bessere Entscheidungen in Planung und Betrieb.